So gefährlich ist Scientology - Mail-Leak spricht Bände

Dass die umstrittene Sekte Scientology in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wurde, in Österreich jedoch nach Belieben ihr Unwesen treiben kann, ist wohl bezeichnend für die katastrophale Sicherheitspolitik, die hierzulande vorherrscht. Der Mail-Leak, der die Kommunikation unter österreichischen Scientology-Mitgliedern offenlegt, brachte erschreckende Erkenntnisse:
Exekutivbeamte drücken ihre Bewunderung für hochrangige Scientology-Mitglieder aus oder lassen sich zu persönlichen Gesprächen einladen; der Sekte nahestehende Ärzte geben vertrauliche Informationen über Patienten an die selbsternannte Kirche weiter und auch die Absichten von Scientology sollten dem Verfassungsschutz zu denken geben. Immerhin unterwandert Scientology Behörden und rechtsstaatliche Grundsätze.

Aus dem Mailverkehr geht hervor, dass die Sekte offenbar an einer “perfekten Org” arbeitet: In Wien soll demnach eine Art Gebetshaus errichtet werden, mit dem Ziel, bessere Voraussetzungen für die Rekrutierung neuer Mitglieder an der Hand zu haben.
Von moralischen Grundsätzen ist Scientology jedenfalls meilenweit entfernt: Der schärfste Kritiker der umstrittenen Sekte, Wilfried Handl (ehemaliges Scientology-Mitglied), ist den Obrigkeiten von Scientology schon lange ein Dorn im Auge. Laufen derzeit gegen Handl Unterlassungsklagen, die die Veröffentlichung von (bereits geleakten!) E-Mails unterbinden sollen, so wurde auch geplant, Handls Ex-Frau und seine drei Kinder für einen Video-Clip zu engagieren, in dem sie die Integrität von Handl beflecken sollten. Der Fall ist ein perfektes Beispiel für das Hauptziel der Sekte, Kritiker mundtot machen zu wollen und deren Popularität zu minimieren - Rufmord und Nötigung gehören offenbar zum Alltag.

Scientology bedient sich dabei immer öfters juristischer Mittel, deren Einsatz lediglich ein Mittel zum Zweck ist: Oftmals werden Fakten frei erfunden und Beweise gefälscht, um die Basis für eine Anklage zu haben. Scientology sieht es als primäres Ziel, Feinde mit rechtlichen Schritten und dadurch entstehenden Kosten zu quälen - Ob ein Prozess schlussendlich gewonnen oder verloren wird, ist Nebensache. Aus den geleakten Mails geht hervor, dass die Sekte gegen Wilfried Handl rund 6.000 Euro in die Durchführung rechtlicher Schritte investiert. Auch gegen Anonymous versucht Scientology verzweifelt, zum Rundumschlag auszuholen: Es ist anzunehmen, dass, ob das Besorgnis erregenden Kontaktnetzwerkes, ein der Sekte nahestehender Exekutivbeamter für die Exekution des Vermummungsvebotes auf einer friedlich verlaufenden Anti-Scientology-Kundgebung verantwortlich war. Mehreren Demonstranten wurden Verwaltungsstrafen aufgebrummt und es ist aufgrund der Nähe von Scientology zur Exekutive nicht auszuschließen, dass die Daten der betroffenen Personen an die Sekte weitergegeben wurden. Mit dem Ziel, Medien, Politik und Finanzorgane zu unterwandern und jede Form von Kritik mit Methoden längst vergangener und verwerflicher Regimes zu bekämpfen, agiert Scientology in höchstem Maße demokratiefeindlich.

Zudem motiviert die Sekte Mitglieder, Berufsgeheimnisse zu ignorieren und hochsensible Informationen von Unbeteiligten weiterzugeben, um diese in weiterer Folge für “geeignete Kurse” zu rekrutieren. Die Erkenntnisse, die aufgrund des Mail-Leaks gewonnen wurden, haben in erschreckender Weise gezeigt, dass in Österreich derartige Mafia-ähnliche Strukturen vollkommen frei und ohne jegliche behördliche Intervention betrieben werden können, wenn man in Politik und Exekutive die richtigen Leute kennt.