Glossar
ACTA - Anti-Counterfeiting Trade Agreement
Dieses Handelsabkommen soll dazu dienen, rechtlich einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um auf internationaler Ebene Verstöße gegen das Urheberrecht und Produktpiraterie unkomplizierter bekämpfen zu können und so die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten bleibt. Das Abkommen wurde, wie Kritiker und Datenschützer immer wieder betonten,hinter verschlossenen Türen mit der Hilfe von diversen Lobbys ausgehandelt und entworfen.
Ein weiteres Problem ist, dass ACTA mit seinen Vorschriften in das Recht der Freiheit jedes Bürgers eingreift, da Maßnahmen getroffen werden, um digitale Inhalte (beispielsweise E-Mails) hinsichtlich urheberrechtlicher Konflikte zu überprüfen. Hinzu kommt noch, dass die Innovation eingeschränkt und Patente aus den USA auch in anderen Ländern gültig werden würden. Dies könnte zusätzlich Unternehmen schaden. Außerdem kann ACTA ebenso lebenswichtige Generika und Saatgutlieferungen in ärmere Länder verhindern.
Anonymous - Die Idee
Anonymous zu definieren ist nicht leicht, da jeder eine andere Vorstellung halt. Als gemeinsamen Grundsatz könnte man die vorhandene Idee nennen, die jeder für sich selbst definiert und so auch davon ausgehen muss, dass Anonymous nicht für jeden das gleiche ist. Wichtig ist aber, dass aus der Idee Werke entstehen, an denen man die Gemeinsamkeiten erkennen kann. Grundsätzlich hat sich jedoch der Punkt “Freiheit” herauskristallisiert, nicht nur selbst frei zu sein im Bezug zu handeln wie man will, sondern auch für die Freiheit anderer zu kämpfen. Ebenso sollte der Spaß nicht fehlen.
Viele sehen Anonymous als Hacktivismus und dieser ist auch vorhanden, denn im Deckmantel der Anonymität im Internet und dem großen undefinierten Bereich Anonymous sind solche Aktionen leichter und sicherer durchzuführen. Wichtig ist aber, zu erkennen, dass es viel mehr als den bloßen Hacktivismus bei Anonymous gibt.
CISPA - Cyber Intelligence Sharing and Protection Act
CISPA stellt nach SOPA und PIPA einen weiteren Versuch des amerikanischen Kongresses dar, ein weiteres Instrument im Kampf gegen Cyberkriminalität in der Hand zu haben. Die umstrittene Richtlinie sieht vor, dass Provider Maßnahmen treffen, um beispielsweise Hacking-Attacken zu erkennen und diese Informationen an Behörden weiterzugeben. Kritiker sehen CISPA weitaus schädlicher für die Privatsphäre der amerikanischen Bürger, als die vorherigen gescheiterten Regelwerke SOPA und PIPA, da unklare Formulierungen im Gesetzestext dazu führen könnten, dass neben Cyberdelikten auch Urheberrechtsverstöße verfolgt oder diverse Onlineportale vom Netz genommen, sowie willkürlich ausgesuchte amerikanische Bürger durchleuchtet werden.
I2P - Invisible Internet Project
Größtenteils funktioniert dieses Netzwerk wie TOR, jedoch ist es eher für anonyme interne Kommunikation, wie IRC und E-Mails, oder Filesharing gedacht. Dies wird über eigene Ports geleitet und so werden Kanäle nur zwischen den Netzteilnehmern aufgebaut, wo jeder anonym für den anderen ist. Die Exit-Proxies, um anonym im Internet zu surfen oder E-Mails nach außen zu senden, sind hier ein netter Nebeneffekt. I2P-Website
INDECT - Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment
Hierbei handelt es sich um ein EU-weites Projekt, welches darauf abzielt, ein intelligentes Überwachungssystem zu schaffen. Ausgearbeitet und umgesetzt werden diese Ideen größtenteils von europäischen Universitäten, aber auch private Sicherheitsfirmen sind beteiligt. Nicht nur offline Videobilder werden dadurch auf verdächtiges Verhalten überprüft, sondern auch das Auftreten der Bürger im Internet. Es wird gezielt nach Verhaltensmustern gesucht und auffällige Personen könnten dann weiter überwacht werden. Man muss jedoch einsehen, dass so jeder im Prinzip verdächtig ist und man so rund um die Uhr vom Staat überwacht wird. Bis jetzt wurden mehrere Millionen Euro in diesen “Orwellschen Plan” gesteckt. Mehr Informationen über INDECT auf dem Forum von Anonymous Wien
IPRED - Directive on the enforcement of intellectual property rights
IPRED ist als ACTA des Internets geplant, da man bei letzterem, um eine bessere Durchsetzungschance zu bekommen, diesen Teil gestrichen hat. Um auf internationaler Ebene Verstöße gegen das Urheberrecht und Produktpiraterie im Interntet unkomplizierter bekämpfen zu können, müsste hierbei der Verkehr aller Internetnutzer vom Provider überwacht werden, diese Daten würden so zusammengelegt, um verdächtige User zu finden und diese Daten würden Firmen zur Verfügung gestellt, um die Möglichkeit einer Anzeige zu gewährleisten. Hier gilt auch, dass die Nutzung von Anonymisierungsdiensten, wie TOR und I2P, für illegal befunden werden könnte. IPRED im Volltext
PIPA - PROTECT IP Act
Der Preventing Real Online Threats to Economic Creativity and Theft of Intellectual Property Act, kurz PROTECT IP Act oder PIPA, soll die Verfolgung von Personen, die gegen das US-amerikanische Urheberrecht verstoßen, erleichtern und ist die Basis für den sogenannten Stop Online Piracy Act. Der PROTECT IP Act ist eine Neuauflage des COICA (Combating Online Infringement and Counterfeits Act) Abkommens, welches 2010 vom Kongress abgelehnt wurde. Unterstützt wurde PIPA vor allem durch die Industrie und größere Urheberrechtsbesitzer wie der Motion Picture Association of America (MPAA) und der Recording Industry Association of America (RIAA). Im Internet bildeten sich, wie bei SOPA, weltweite Protestbewegungen gegen dieses Abkommen, denn auch hier wurden Internet Service Provider zum Blockieren von Internetseiten, die gegen den PROTECT IP Act verstoßen, aufgefordert. Aufgrund dieser Proteste, wurde auch PIPA in seiner aktuellen Form vorerst auf Eis gelegt.
PNR - Passenger Name Record
Der PNR bezeichnet die einen Satz personenbezogener Daten bei einer Flugbuchung. In die Medien gekommen ist dieses Akronym aufgrund eines Vertragsentwurfs zwischen den USA und der EU, diese Daten aufzuzeichnen und sie für 15 Jahre für Behörden zugänglich zu speichern. Der Zeitraum, für den die gespeicherten Datensätze für Behörden zugänglich sind, hängt vom Strafausmaß ab und der Zugriff ist bereits möglich, wenn das Delikt mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren geahndet werden würde. Ob die Daten je gelöscht werden, geht aus dem Vorschlag nicht hervor. Gespeichert werden alle Daten die den Flug betreffen aber auch weitere Unterkünfte etc., sofern diese vorhanden sind. Außerdem wird hier auf eine Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa gesetzt, um erfolgreich gegen den Terrorismus zu kämpfen. Außerdem gilt jeder Fluggast als potentieller Terrorist und die Unschuldsvermutung und Privatsphäre bleiben nicht gewährt. Auch hier gibt es schon Aktionen von Vereinen gegen dieses Abkommen, um hier Kritik aufzuzeigen. PNR auf Wikipedia || NoPNR
Smart Meter
Hinter dem Begriff “Smart Meter” versteckt sich nichts anderes, als ein digitaler Stromzähler. Der Austausch alter Geräte durch die neuen intelligenten Zähler wurde in Österreich erst vor kurzem beschlossen. Für Befürworter liegen die Vorteile klar auf der Hand: Der Stromverbrauch muss nicht mehr abgelesen werden, sondern wird in periodischen Zeitabständen an den Anbieter übermittelt. Ebenso sei es von Vorteil, dass Konsumenten den Stromverbrauch jederzeit “live” sehen können. Kritiker warnen davor, dass Smart Meter von unbefugten ausgelesen oder sogar manipuliert werden könnten. Zudem gibt es noch keine genauen Details, wer für die Kosten des Austausches aufkommen wird.
SNOPA - Social Networking Online Protection Act
Immer mehr Arbeitgeber wollen über das private Leben ihrer Angestellten oder von Job-Bewerbern Bescheid wissen und schrecken auch davor nicht zurück, auf die Herausgabe von Passwörtern zu sozialen Netzwerken zu beharren. Um diese Unart nun gesetzlich zu unterbinden, wurde SNOPA, der Social Networking Online Protection Act, im US-Kongress eingebracht. Ziel des Rahmenwerks ist es, Angestellte und Bewerber zu schützen, die vom Arbeitgeber zur Herausgabe von Benutzernamen oder Passwörtern gezwungen werden. SNOPA würde derlei Aktionen gesetzlich unterbinden. Ebenso wären Arbeitgeber unter SNOPA nicht mehr berechtigt, persönlichen Content im Generellen (also beispielsweise URLs zu Blogs oder privaten Fotoalben ohne Passwortschutz) anzufragen.
SOPA - Stop Online Piracy Act
Der Stop Online Piracy Act ist ein Gesetzesentwurf, der am 26.10.2011 im US-amerikanischen Repräsentantenhaus eingebracht wurde. Dieses Gesetz baut unter anderem auf dem Protect IP Act (PIPA) auf und hätte der US-Regierung und Urheberrechtsinhabern erlaubt, gerichtliche Verfügungen gegen Internetseiten zu erwirken, die gegen das US-amerikanische Urheberrecht verstoßen. So hätte zum Beispiel eine Verfügung Werbeagenturen und Bezahldiensten die Zusammenarbeit mit bestimmten Webseiten untersagen können. Die Tatsache, dass Internet Service Provider den Zugang zu gesamten Domains blockieren könnten, sahen Gegner des Stop Online Piracy Acts als massive Bedrohung der Meinungsfreiheit an, denn ein einziger Blog Eintrag, der gegen das SOPA abkommen verstößt, würde bereits ausreichen, um die gesamte Domain zu blockieren. Des weiteren müssten Suchmaschinen betroffene Internetseiten aus deren Index löschen. Im Internet bildete sich eine weltweite Protestbewegung gegen SOPA, an dessen Höhepunkt mehrere Internetseiten wie Wikipedia und Reddit für 12 Stunden offline gingen. Kurz darauf, am 21.1.2012, zog der Kongress das SOPA Abkommen in seiner aktuellen Form vorerst zurück.
TOR - The Onion Router
Dieses Netzwerk von verschiedenen Clients in der ganzen Welt soll eine gewisse Anonymität für den Nutzer bereitstellen. Es wird der Datenverkehr verschlüsselt über 3 Server geleitet und am End-Punkt zur eigentlichen Seite geschickt. Dieser Schritt kann auch unverschlüsselt erfolgen, deshalb wird bei der Nutzung ein HTTPs-Enforcer empfohlen. Durch die Netzstruktur ist TOR zwar sehr langsam, aber durch zusätzliche “Exit-nodes” und Clients wächst die Geschwindigkeit stetig. Zusätzlich gibt es “Hidden-Services” wo Server gezielt im tor-netzwerk über eine .onion Adresse erreichbar sind. Eine vollständige Anonymität kann natürlich nicht garantiert werden, da die einzelnen Clients und Server meist privat aufgestellt sind. Wichtig ist, dass in der Kette der 3 “Hops” mindestens einer vertrauenswürdig ist, und der Ein- und Ausgangspunkt nicht dem gleichen Betreiber gehören. TOR Website
VDS - Vorratsdatenspeicherung
Diese am 1.4.2012 in Österreich eingeführte EU-Richtlinie, verpflichtet Netzbetreiber dazu, Telefon- und Internetverbindungsdaten, wie etwa Zeit des getätigten Anrufs, aktueller Aufenthaltsort und Gesprächspartner, für mindestens sechs Monate zu speichern. Dies geschieht unter dem Vorwand der Verbrechens-und Terrorismusbekämpfung. Es ist jedoch bewiesen, dass die Vorratsdatenspeicherung in keinster weise zu einer höheren Aufklärungsrate beiträgt. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, wurde die Vorratsdatenspeicherung aufgrund mangelnder Ergebnisse und zu hoher Kosten bzw. Verfassungswidrigkeit vorerst abgeschafft. Bei einer Nichtumsetzung der EU-Richtlinie, drohen den betroffenen Staaten Strafen im Millionen-Euro-Bereich. Die auf Vorrat gespeicherten Daten erlauben Personen, die darauf Zugriff haben, unter anderem das Erstellen von personenbezogenen Bewegungs-und Verhaltensprofilen. Die Daten müssen von den Internet Service Providern auf gerichtliche Anordnung hin bei Verdacht einer Straftat unverzüglich an die Strafverfolgungsbehörden übermittelt werden. In Österreich mehren sich hingegen die Stimmen gegen die Vorratsdatenspeicherung, sowohl seitens der Bürger, als auch der politischen Parteien. Die vom AK Vorrat ins Leben gerufene Bürgerinitiative gegen die VDS, haben inzwischen etwa 100.000 österreichische Staatsbürger unterzeichnet. Weiters wird am 25.5.2012 eine, ebenfalls vom AK Vorrat organisierte, Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung eingereicht werden, die jeder Besitzer eines in Österreich angemeldeten Mobiltelefons oder Internetanschlusses bis einschließlich 18.5.2012 ausfüllen kann. zeichnemit.at || akvorrat.at || verfassungsklage.at